Brynnek

Brynnek (Brynek)

Geschichte

Der kleine Ort Brynnek stammt vermutlich aus dem 16. Jahrhundert. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts soll er der Familie von Verdugo gehört haben, anschließend verschiedenen anderen adeligen Besitzern. Wohl schon vor 1823 kaufte Bernhard Rosenthal Brynnek von Justizrat Hetzko. Die Familie Rosenthal besaß Brynnek bis zur Jahrhundertwende. In der Mitte des 19. Jahrhunderts bestand der Ort aus dem Rittergut mit Schloss und großen Forsten sowie vier Bauern, 18 Gärtnern und einigen Kleinstellenbesitzern. Als am 7. April 1889 Dr. Hugo von Rosenthal starb, hinterließ er seine Besitzungen seiner siebenjährigen Tochter Barbara. Das Gut Brynnek wurde von einem Vormund verwaltet. Im Jahre 1904 wurde es von Hugo II. Henckel von Donnersmarck gekauft, der den kompletten Umbau des Schlosses veranlasste.

Schloss Brynnek 1913, © Muzeum Śląskie w Katowicach, MŚK/H/4042.


Hugo II. Henckel von Donnersmarck

(1832 - 1908,  auf dem Foto zusammen mit Wanda von Gaschin)


Hugo II. Henckel von Donnersmarck wurde 1832 in Siemianowitz geboren und stammte aus der katholischen Linie der Familie zu Beuthen-Siemianowitz. Sein Vater, Hugo I. hatte dort in Laurahütte das erste Puddel- und Walzstahlwerk auf deutschem Boden begründet.  Hugo II. heiratete 1856 Wanda, Gräfin von Gaschin. Im Jahre 1879 erbte seine Frau von ihrer Mutter Gräfin Franziska von Gaschin-Rosenberg die Güter um Katscher, Preußisch Krawarn und Makau. Im Jahr 1890, nach dem Tod von Hugo I., begründete er eine neue Familienlinie auf Brynnek und Preußisch Krawarn, die sich von der Linie Beuthen-Siemianowitz trennte. Graf Hugo II. starb 1908, kurz vor Abschluss der Bauarbeiten am Schloss in Brynnek. Seine Besitzungen erbte sein Sohn Graf Edgar Henckel von Donnersmarck (+1939).


Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten etwas über 50% der Wahlberechtigten in Brynnek für den Verbleib bei Deutschland. Bei der folgenden Teilung Oberschlesiens im Jahre 1922 blieb Brynnek beim Deutschen Reich. Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurde der Ort 1936 in Brunneck umbenannt, das Schloss wurde später von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und während des Zweiten Weltkrieges als Jugendheim der Hitlerjugend benutzt. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges heißt der Ort Brynek. Im Schloss wurde eine Forstschule mit Internat eingerichtet, die bis heute besteht. Das Äußere des Schlosses wurde nicht verändert, das Innere jedoch an die neue Nutzung angepasst. Neben dem Schloss wurde ein Landschaftspark mit Botanischem Garten angelegt. 

Wappenkartusche in der Schlossfassade.


Sehenswürdigkeiten

Schloss Brynnek

Haupteingang mit Auffahrt.

Rückfassade mit Terrasse und Eckturm.



Das Schloss in Brynnek wurde ursprünglich 1829 errichtet und 1872 um zwei Seitenflügel erweitert. Starke Umbauten erfolgten zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter Hugo II. Henckel von Donnersmarck in Barockformen mit klassizistischen Elementen nach Entwürfen des Architekten Karl Grosser (1850 – 1918). Der Umbau kostete etwa drei Millionen Mark.

Der hufeisenförmige Bau hat einen offenen Innenhof nach Nordosten und zwei oktogonale Türme mit Zwiebelhauben auf der Gartenseite. (l.) Die Hauptfassade ist durch einen dreiachsigen Mittelrisalit mit Wappenkartusche und vorgelagertem Säulenportikus gekennzeichnet. (o.)

Figuren auf dem Dachsims.

Innenräume

Im Inneren befindet sich zentral ein repräsentatives Treppenhaus neben der Eingangshalle. (r. und u.)  Eine Beschreibung der Innenräume aus dem Jahre 1908 findet sich in der regionalen Presse: "... auf der Etage befinden sich die Wirtschaftsräume, auf dem ersten Stock: Empfangshalle, Herrenzimmer, Bibliothek, drei Salons, ein großes Eßzimmer, Familieneßzimmer und in den Flügeln die Schlafzimmer mit umfangreichen Nebenräumen. Aus dem Eßzimmer führt eine Galerie genau in die Loge des Herrn in der Kapelle, die auch einen speziellen Außeneingang besitzt." Da das Schloss heute eine Forstschule beinhaltet, ist es frei zugänglich und kann grundsätzlich besichtigt werden.

Eingangshalle.

 Vase im Eingangsbereich.

Kapelle

Im Nordwesten des Schlosses ist eine Kapelle mit Stichkappentonne und Halbkuppeln angebaut. (r.) Über einen Verbindungstrakt ist die Loge der Kapelle mit dem Schloss verbunden. So konnte die Herrschaft die Kapelle direkt vom Schloss aus erreichen.

Brunnen beim Kapelleneingang.

Schlosskapelle

Wirtschaftsgebäude

Östlich des Schlosses befindet sich ein Gebäudekomplex aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts mit Gärtnerhaus, Stallungen, Reitschule, Remise und Wasserturm. Die Gebäude sind aus Backstein mit Steindekor errichtet. Die Durchfahrt im Erdgeschoss des Wasserturms ist durch eine Wappenkartusche geziert. Die gesamte Anlage ist von einem weitläufigen Landschaftspark im englischen Stil umgeben.

Wappenkartusche am Wasserturm.

Wasserturm und Wirtschaftsgebäude

Anreise


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