Königshütte (Chorzów)

Geschichte

Chorzów geht vielleicht auf den in einer Papstbulle 1137 erwähnten Ort “Zuersov” zurück. Nachweislich 1257 gestattete Herzog Wladislaus I. von Oppeln dem Kloster Miechów in Kleinpolen, die Umsetzung des Ortes zu deutschem Recht. Im Jahre 1300 wurde das Gut “Charzow” dann dem Spital der Brüder vom hl. Grab mit dem doppelten Kreuz in der Vorstadt von Beuthen geschenkt.


Die Geschichte der Stadt Königshütte geht aber erst auf die Zeit der Industrialisierung Oberschlesiens zurück. Zentren der späteren Stadt waren zwei durch den Bergbaudirektor Graf von Reden geschaffene staatliche Betriebe, die 1796 eröffnete Steinkohlengrube „Carl von Hessen“ (seit 1800 „Königsgrube“) und die 1797/1802 erbaute „Königshütte“. Neben der Hütte entstand sogleich eine kleine Arbeitersiedlung, aber schon schnell mussten weitere Arbeiterkolonien auf den Feldmarken der Dörfer Lagiewnik und Chorzów errichtet werden. Grube und Hütte zogen weitere Industriebetriebe an, so dass die Agglomeration schnell wuchs.


Die Königshütte um 1850.

Der so entstandene Siedlungs- und Industriekomplex wurde deshalb bereits im Jahre 1868 zur Stadt zusammengefasst.  Im Jahre 1869 erwarb Graf Carl Hugo Henckel von Donnersmarck die Königshütte, verkaufte sie aber schon 1871 an die „Vereinigte Königs- und Laurahütte AG. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Schulen, Kirchen sowie andere öffentliche Gebäude in Königshütte. Durch den Zuzug deutschsprachiger Führungskräfte, Gewerbetreibender und Beamter stieg der Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung ständig an, im Jahre 1900 betrug er bereits 46%. Darunter waren auch viele Protestanten. Im Jahre 1898 schied Königshütte aus dem Kreis Beuthen aus und wurde zu einem eigenen Stadtkreis. 1905 War der Ort mit gut 66.000 Einwohnern nach Breslau die zweitgrößte Stadt Schlesiens.


Bei der Volksabstimmung 1921 entschieden sich über 74% der Abstimmungsberechtigten für den verbleib bei Deutschland. Trotzdem wurde Königshütte Polen zugesprochen und nahm in Folge den Namen „Królewska Huta“ an. Als der Ort 1934 um Bismarckhütte, Chorzów und einige andere Orte mehr erweitert wurde, nahm die Stadt den Namen Chorzów an.  Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 wurde Chorzów dem Deutschen Reich eingegliedert und wieder in Königshütte umbenannt. Ein Teil der polnischen Bevölkerung wurde ins Generalgouvernement verdrängt, während Deutsche, darunter Umsiedler, Evakuierte aus bombardierten westdeutschen Städten und sogenannte Volksdeutsche aus Südosteuropa, in die Stadt kamen. In Königshütte bestanden Nebenlager des Konzentrationslagers Auschwitz sowie mehrere Arbeitslager. Ende Januar 1945 nahm die Rote Armee die weitgehend unzerstörte Stadt ein. Ein Teil der deutschen Bevölkerung wurde verschleppt oder vertrieben, wobei qualifizierte Arbeitskräfte teils bleiben durften oder zum Verbleib verpflichtet wurden.


Bis Ende 1945 bekannten sich rund 41.000 Einwohner zum polnischen Staat. Gleichzeitig zogen Menschen aus Zentralpolen und den ehem. polnischen Ostgebieten zu. Anschließend kam es zu verstärkter Auswanderung einheimischer Oberschlesier in die Bundesrepublik Deutschland. Seit 1989 steht die Stadt – wie die gesamte Region um Kattowitz – vor den Herausforderungen des Strukturwandels mit dem Niedergang von Bergbau und Schwerindustrie.



Friedrich Wilhelm Graf von Reden

(* 23. März 1752 Hameln, † 3. Juli 1815 Schloss Buchwald)


Friedrich Wilhelm Graf von Reden entstammte einer bergbauverbundenen Adelsfamilie. Nach Studien in Göttingen und Halle sowie einer bergfachlichen Ausbildung in Freiberg unternahm er Reisen nach Westeuropa, um moderne Bergwerks- und Hüttenanlagen kennenzulernen. 1777 trat er in den preußischen Staatsdienst ein und wurde bald in das Bergwerksdepartement berufen. 1795 erfolgte seine Ernennung zum Berghauptmann, 1786 war er bereits in den Grafenstand erhoben worden.


Von Reden modernisierte das schlesische Berg- und Hüttenwesen grundlegend. Unter seiner Leitung kam es in Oberschlesien zur Gründung neuer Eisenhütten wie der Friedrichshütte, Königshütte und der Gleiwitzer Hütte. So erlebte der Erz- und Steinkohlenbergbau in seiner Zeit einen rasanten Aufschwung in der Region. Zudem förderte Reden Infrastrukturprojekte wie den Bau des Klodnitzkanals und gründete eine Bergschule zur Ausbildung von Fachkräften. Im Jahre 1802 wurde er preußischer Oberberghauptmann und Leiter des Berg- und Hüttendepartements, 1803 sogar Finanzminister.


Nach der napoleonischen Besetzung Preußens verlor er 1807 wegen eines Eides auf die französische Besatzungsmacht allerdings sein Amt. Seinen Lebensabend verbrachte Reden auf dem Gut Buchwald im Hirschberger Tal, das er 1785 erworben hatte. Dort ließ er einen bedeutenden Landschaftspark anlegen.


Sehenswürdigkeiten

Graf Reden-Denkmal


Das Reden-Denkmal zeigt den preußischen Berghauptmann und Minister Friedrich Wilhelm von Reden. Das ursprüngliche Monument, geschaffen von Theodor Kalide, bestand aus einer Bronzestatue auf einem Sockel. Bei seiner Enthüllung am 29. August 1853 sollte es an die industrielle Entwicklung erinnern, die maßgeblich zum Aufschwung Oberschlesiens beitrug. Zunächst stand das Denkmal auf dem Redenberg in Königshütte. Im Jahr 1939 wurde es zerstört, 1940 nach einer Restaurierung erneut auf dem Berg aufgestellt und 1945 wiederum beschädigt. Nach einer Rekonstruktion durch den polnischen Bildhauer August Dyrda wurde es schließlich 2002 auf dem Plac Hutników in Königshütte (Chorzów) feierlich neu enthüllt. Dies ist deshalb hervorzuheben, da es sich bei Reden um einen preußisch-deutschen Minister handelt.



Alte Post


Das Postgebäude in Königshütte wurde im neugotischen Stil zwischen 1891 und 1892 nach einem Entwurf des Architekten Johann Schubert für das Kaiserlich Deutsche Postamt aus Backstein errichtet. Das zweigeschossige Gebäude mit unregelmäßigem Grundriss besitzt ein mehrteiliges, mit Ziegeln gedecktes Dach mit Gauben sowie einen achteckigen Turm mit durchbrochener Spitze, unter dessen Kuppel sich früher eine moderne oberirdische Telekommunikationsanlage mit Isolatoren befand. Die Fassade aus Klinker mit grünen Zierelementen zeigt unterschiedlich gestaltete, mit roten und grünen Ziegeln verzierte Fenster. Der Haupteingang liegt an einer abgeschrägten Ecke in einem hervorgehobenen Gebäudeteil mit Treppengiebel und Maßwerk.


(C) Wikipedia, CC BY-SA 3.0.


St. Joseph


Die katholische Pfarrkirche St. Joseph wurde als neuromanische Pfeilerbasilika in den Jahren 1904 bis 1907 nach Entwürfen von Josef Schmitz errichtet. Den neoromanischen Hauptaltar schuf der Münchener Bildhauer Georg Schreiner, während der Triumphbalken sowie die Majolika-Medaillons von dem ebenfalls in München tätigen Bildhauer Franz Hofstaedter stammen. Das zugehörige Pfarrhaus entstand 1912 nach Plänen von Max Giemsa im Stil der märkischen Gotik.


(C) Wikipedia CC BY-SA 4.0.


Prezydent-Schacht (poln: Szyb Prezydent)


Der 42 Meter hohe ehemalige Förderturm eines Steinkohlenbergwerks in Königshütte wurde 1933 für einen Teil der historischen Königsgrube errichtet. Die Stahlbetonkonstruktion in einstrebiger Bauweise wurde vom Ingenieur Ryszard Heileman aus Kattowitz entworfen und von der polnisch-französischen Gesellschaft Skarboferm finanziert. Sie verfügt über zwei Seilscheiben mit jeweils 5,5 Metern Durchmesser und war für eine Förderleistung von über 320 Tonnen Kohle pro Stunde ausgelegt. Ursprünglich trug der Schacht den Namen “Wielki Jacek”, erhielt jedoch 1937 zu Ehren des polnischen Präsidenten Ignacy Mościcki den Namen “Prezydent”. Nach der Eingliederung in das Bergwerk Polska im Jahr 1972 und dem Ende des Bergbaus in den 1990er Jahren wurden Teile der Anlage abgerissen, während der Förderturm erhalten blieb. Seit 2008 steht er unter Denkmalschutz und ist heute Teil des revitalisierten Sztygarka-Komplexes mit Gastronomie-, Beherbergungs- und Veranstaltungsangeboten.




Museum

"Skansen": Das Oberschlesische Freilichtmuseum


Die Idee eines "Skansen" in Königshütte geht auf die Zwischenkriegszeit zurück, der jetzige "ethnographische Park" wurde aber erst in den 1960/70er Jahren tatsächlich auf einer 25 ha großen Bergbauhalde errichtet. In dieser Zeit wurden zahlreiche Baudenkmäler hierhin versetzt, konserviert und zusammengesetzt. Im Jahre 1975 konnte das Freilichtmuseum dann mit 33 Gebäuden den Besuchern zugänglich gemacht wurden. Die hier gesammelten Baudenkmäler stammen aus fünf Regionen, den Schlesischen Beskiden, dem Bergvorland, der Region um Pless und Rybnik, der Lublinitzer Gegend und aus dem Dombrowaer Industriegebiet. Für diese Einteilung waren demnach nicht die historischen Grenzen Oberschlesiens maßgebend, sondern die der modernen Wojewodschaft Schlesien. Weitere Informationen zum Freilichtmuseum finden Sie (in englischer und polnischer Sprache) hier:



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Dies ist Absatztext.

Kapelle aus Istebna, Beskiden (1910).


Bauernhütte Dziedzkowitz, Bergvorland (1837).

Brunnen aus der Plesser Gegend (20. Jh.).


Windmühle aus Grzawa, Plesser Gegend (1813).


Und eine kleiner Bildstock.


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