Geschichte
Die Stadt Hindeburg O.S. geht auf das vermutlich im 13. Jahrhundert zwischen Gleiwitz und Beuthen gegründete Dorf Zabrze zurück. Lediglich von 1915 bis 1945 trug die daraus erwachsene moderne Industriestadt den Namen Hindenburg, benannt nach dem Generalfeldmarschall des Ersten Weltkrieges.
Das Dorf Zabrze wird erstmalig um 1305 im „Liber Fundationis“ des Bistums Breslau als „Sadbre sive Cunczindorf“ erwähnt. Das damals wohl im Aufbau befindliche Dorf hatte große 60 Hufen. Während des Slawisierungsprozesses im späten Mittelalter verschwand der deutsche Name dann und der slawische „Zabrze“ verblieb allein. Im Jahr 1538 gelangte der Ort in den Besitz der Familie Dluhomil von Birawa, die hier einen Herrensitz errichtete. Um das Jahr 1700 gehörten zur Herrschaft Zabrze fünf Dörfer und fünf Vorwerke. Zu dieser Zeit war Anna Susanna von Rauthen (+ 1704) die Besitzerin der Herrschaft.
Die Entwicklung von Zabrze zur modernen Industriestadt begann erst im 18. Jahrhundert. Bereits 1725 wird hier ein „Frischfeuer“ erwähnt, 1774 zusätzlich ein Holzkohlehochofen. Aber erst die Gründung der großen Kohlegrube im angrenzenden Zaborze 1790, seit 1811 „Königin Luise-Grube“ genannt, legte die Basis für die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes. Parallel hatte der Besitzer der Herrschaft, Mathias Freiherr von Wilczek, im Rahmen der friderizianischen Siedlungspolitik mehrere Kolonien auf dem Grund des Dorfes Zabrze angelegt. Nach mehreren anderen Besitzern erwarb 1826 Graf Carl Lazarus Henckel von Donnersmarck auf Neudeck den Ort mit seinen Industrieanlagen. 1845/46 gelang dem Ort durch die Anbindung an die Eisenbahnlinie Breslau – Gleiwitz – Myslowitz die zentrale Verkehrserschließung. In Folge wurden mehrere Industrieanlagen neu errichtet bzw. wieder in Betrieb genommen, z.B. 1850/51 die „Donnersmarckhütte“. 1872 wurde zudem die Guido-Grube in der Kolonie Dorotheendorf eröffnet. Durch diesen Ausbau der Industrie wuchs Zabrze in kurzer Zeit zu einer städtischen Siedlung mit Wohn- und Geschäftsvierteln heran. Innerhalb von 50 Jahren verzehnfachte sich auch die Bevölkerungszahl.

Die "Donnersmarckhütte" um 1920.
Eine doppelte Zäsur brachte der Erste Weltkrieg mit seinen Folgen. Im Jahre 1915 erfolgte die Umbenennung des Ortes aufgrund des Sieges von Generalfeldmarschall Hindenburg gegen die Russen in Ostpreußen in „Hindenburg O.S.“. Stadtrecht erhielt das damals „größten Dorf Europas“ allerdings erst 1922. Parallel wurde er aufgrund der Teilung Oberschlesiens nun zur Grenzstadt. Dies brachte der Großstadt Hindenburg in den folgenden Jahren allerdings wirtschaftliche Einbußen.
Am 24. Januar 1945 nahm die Rote Armee die Stadt ein. Jetzt unter polnische Verwaltung wurde sie der Woiwodschaft Schlesien zugeordnet. Der überwiegende Teil der deutschen Bevölkerung wurde, sofern er nicht bereits geflohen war, vertrieben. 1946 erhielt die Stadt wieder ihren ursprünglichen Namen Zabrze. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Einwohnerzahl stark und erreichte in den 1980er Jahren mit über 200.000 Menschen ihren Höchststand. Gleichzeitig prägten Umweltbelastungen und die starke Abhängigkeit vom Bergbau das Stadtbild. Mit dem politischen Umbruch in Polen seit 1989 begann ein tiefgreifender wirtschaftlicher Wandel. Viele Zechen wurden geschlossen oder zusammengelegt, Arbeitsplätze gingen verloren, und die Bevölkerungszahl sank deutlich. Heute setzt Zabrze verstärkt auf die Umnutzung seines Industrieerbes, etwa mit dem Besucherbergwerk Guido.
Sehenswürdigkeiten
„Admiralspalast“
Das markante Großstadtgebäude wurde 1924 bis 1927 nach Plänen der Berliner Architekten Richard Bielenberg und Josef Moser errichtet. Da unter dem Grundstück der Hauptschlüssel-Erbstollen verläuft, entstand der Bau auf einer 2,5 Meter starken Stahlbetonplatte. Ursprünglich vereinte das Haus ein Hotel mit 50 Betten, mehrere Gastronomiebetriebe, darunter Restaurant, Café und „Bayrisches Braustübl“, einen Dachgarten sowie ein Kabarett-Theater mit 450 Plätzen. Nach 1945 wurde es unter wechselnden Namen weitergeführt, bevor der Hotelbetrieb in den 1990er Jahren endete. Inzwischen ist das Gebäude renoviert. Architektonisch prägend ist die abgerundete Ecke des spitzwinkligen Grundstücks, die als Hauptfassade ausgebildet und expressionistisch gegliedert ist. Bekrönt wird sie von einer 11 Meter breiten Kuppel. Ursprünglich sorgten rund 1500 Lampen für eine effektvolle Beleuchtung.

St. Josefskirche

Fassade der St. Josephskirche.
Die St. Josefskirche im südwestlichen Innenstadtbereich von Zabrze entstand als expressionistischer Backsteinbau 1930/1931 nach Plänen des Kirchenarchitekten Dominikus Böhm. Im Jahre 1932 wurde sie durch Kardinal Adolf Bertram geweiht. Charakteristisch ist die monumentale Eingangsfront mit zwei Haupt- und zwölf Nebenbögen als Sinnbild der „Porta Sacra“. Der östlich angefügte Turm besitzt 40 Rundbogenfenster, die an die 40-jährige Wüstenwanderung Israels erinnern. Das 67,5 Meter lange und 26 Meter breite Innere führt zu einem um zwei Meter erhöhten Presbyterium; darunter liegt eine Kapelle mit einem von Bergleuten in den 1930er Jahren aus Kohle gestalteten Barbara-Altar. Farbige Glasfenster mit biblischen Szenen, Darstellungen der Heiligen Familie und eine Rosette am Eingang prägen zusätzlich das Erscheinungsbild.

Innenraum mit Hauptaltar.
Kanzel im expressionistischen Stil.

Seitenschiff mit Heiligenfiguren.
Seitenaltar neben dem Haupteingang.
St. Hedwigskirche
Die St. Hedwigskirche im Stadtteil Zaborze zählt zu den markantesten Sakralbauten Oberschlesiens. Die denkmalgeschützte Holzkirche im expressionistischen Stil wurde 1928/1929 nach Plänen des Architekten Karl Kattentidt errichtet und 1932 geweiht.
Wegen Bergschäden entstand sie in Leichtbauweise und orientiert sich formal an oberschlesischen Schrotholzkirchen, interpretiert diese jedoch als ungewöhnlichen Zentralbau mit zwölfeckigem, von einem Kapellenumgang umgebenem Kirchenschiff. Vier Türme mit kronenartigen Helmen symbolisieren die heilige Hedwig von Schlesien, der die Kirche geweiht ist. Im Inneren befinden sich sechs Altäre, darunter ein Hauptaltar von Franz Schink, sowie eine Orgel von 1833, die 1930 hierher übertragen wurde. Im Volksmund ist das Gotteshaus auch als „Kumpelkirche“ bekannt.

(C) Wikipedia: CC BY-SA 3.0.
Historischer Wasserturm
Der Wasserturm wurde zwischen 1909 und 1911 nach Plänen von August Kind und Friedrich Loose errichtet. Diese schufen einen 46 Meter hohen Bau auf acht Eckpfeilern mit zentralem Stützpfeiler. Das Bauwerk mit Mansarddach und Laterne beherbergte ursprünglich Büros und Wohnungen. Nach mehreren gescheiterten Nutzungsplänen wurde der Turm 2017 vom Kohlebergbaumuseum der Stadt Zabrze übernommen. Seit 2018 ist er saniert und als „Carboneum“ mit interaktiver Ausstellung zum regionalen Bergbau, Aussichtsplattform und Café zugänglich. Ergänzt wird er durch einen modernen Glas-Anbau mit Treppenhaus sowie eine neugestaltete Außenanlage.

Ernst-Pohl-Stadion (Arena Zabrze)
Das Ernst-Pohl-Stadion, seit 2016 auch Arena Zabrze genannt, ist die Heimspielstätte von "Górnik Zabrze" mit derzeit 28.236 Plätzen. Eröffnet wurde das Stadion 1934 nach Plänen von Gustav Allinger unter dem Namen Adolf-Hitler-Kampfbahn, nach 1945 wurde es in "Zabrze-Stadion" umbenannt. Seit 2004 trägt es den Namen des deutsch-polnischen Nationalspielers Ernst Pohl, der viele Jahre für Górnik aktiv war. Górnik Zabrze nutzt das Stadion seit 1948. Der Verein zählt mit 14 Meistertiteln zu den erfolgreichsten Klubs Polens und erreichte 1970 das Finale des Europapokals der Pokalsieger. Seit 2009 wird die Arena in mehreren Bauabschnitten grundlegend neu errichtet.

(eigentlich Horst Eckert, * 11. März 1931 in Hindenburg O.S.)
Museen
Ehem. Bergwerk „Königin Luise“
Das Steinkohlenbergwerk Königin Luise (polnisch Kopalnia Węgla Kamiennego Zabrze) wurde 1791 nach dem Fund mächtiger Kohleflöze gegründet und entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem der bedeutendsten preußischen Staatsbergwerke in Oberschlesien. Es verfügte über zahlreiche Schächte, moderne Wasserhaltungs- und Förderanlagen sowie eigene Kokereien und belieferte unter anderem die Hüttenindustrie in Gleiwitz. Nach 1922 wurde es von der Preussag verwaltet. In der Zeit des Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg stieg die Förderung trotz Einsatzes von Zwangsarbeitern zunächst an, ging jedoch ab 1943 zurück. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Werk unter polnischer Verwaltung weitergeführt, technisch modernisiert. Nach wechselnden Förderhöhen und einzelnen Unglücken endete der Abbau 1998. Die Anlagen des Ostfeldes wurden abgerissen, während der Schacht Carnall im Westfeld heute museal genutzt wird. Weitere Informationen zum Bergwerk-Museum erhalten Sie hier in deutscher Sprache:
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Ehem. Bergwerk Guido
Nach Erschöpfung der Lagerstätten wurde der Abbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingestellt. Zeitweise diente die Grube noch der Entwässerung umliegender Bergwerke, ehe sie nach dem Zweiten Weltkrieg endgültig stillgelegt wurde. 1982 entstand ein Freilichtmuseum, das jedoch 1996 schloss. Dank starken regionalen Engagements wurde das Industriedenkmal gesichert und 2007 als Besucherbergwerk wiedereröffnet. Seit 2008 sind sowohl die 170-Meter- als auch die 320-Meter-Sohle zugänglich und vermitteln anschaulich den Bergbau des späten 19. und 20. Jahrhunderts.
Mit 320 Metern Tiefe ist die historische Grube Guido in Oberschlesien das tiefste Besucherbergwerk Europas. Auf der 320-Meter-Sohle erleben Besucher moderne Fördertechnik des 20. Jahrhunderts mit Maschinen, Transportanlagen und realitätsnahen Simulationen. Auf der 170-Meter-Ebene wird hingegen der Arbeitsalltag um 1900 mit eindrucksvollen Geräusch- und Lichteffekten lebendig. Das Museum gilt heute als Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur.
Informationen zum Bergwerksmuseum erhalten sie in deutscher Sprache hier:
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Der historische Förderturm.
Außenanlage mit technischem Gerät ...
... und Bergbahn.
Schacht auf 170 Meter ...
mit technischen Details ...
und historischen Ausstellungsstücken.






