Oberglogau
(Głogówek)

Geschichte
Georg III. von Oppersdorff
(1588 - 1651 in Oberglogau)
Von besonderer Bedeutung für die architektonische Entwicklung der Stadt ist die Herrschaftszeit des Reichsgrafen Georg III. von Oppersdorff zwischen 1617 – 1651. Unter seiner Herrschaft wurde in der Stadt nicht nur die Gegenreformation gewaltsam umgesetzt, sondern auch ein gegenreformatorisch inspiriertes „Sanktuarium“ geschaffen. So ließ er das Schloss weiter ausbauen und mit Kapellen ausschmücken. Im Jahre 1628 holte er die Franziskaner zurück nach Oberglogau und erbaute für sie die Klosterkirche neu. 1630 bis 1634 wurde darin die „Santa Casa“ von Loretto als Haus im Haus errichtet. Im gleichen Jahr ließ Georg III. von Oppersdorff in einer Ecke des Schlossparks eine Nachbildung des hl. Grabes in Jerusalem errichten. In der Pfarrkirche steht in der Oppersdorff-Kapelle bis heute sein Grabmal im Stil der Spätrenaissance.


Ansicht von Oberglogau um 1900 (Postkarte)
Heute ist die deutsche Minderheit v.a. in den beiden Vororten der Stadt, Weingasse und Hinterdorf, aktiv. Aufgrund des Vorhandenseins der deutschen Minderheit wurde 2009 in der Gemeinde Oberglogau / Głogówek Zweisprachigkeit eingeführt. Ebenso wurden in den Teilen der Gemeinde mit deutscher Minderheit zweisprachige Ortstafeln aufgestellt, auch in der Stadt.
Ein besonderes Ereignis der jüngeren Geschichte von Oberglogau war die Übertragung des katholischen Gottesdienstes aus der St. Bartholomäus-Kirche am 28. Juni 2015 im ZDF.
Sehenswürdigkeiten
in drei Minuten
Eine kleine Wanderung durch die Stadt Oberglogau im Herbst 2018.
(C) M-W-Production und ORF-Oberschlesien

Eingang zum Unterschloss von der Stadt aus.

Turm des Oberschlosses.
Hauptportal mit Wappenkartusche.

Fresken in der Schlosskapelle.
Im inneren enthält die Schlosskapelle Freskomalereien von Anton Sebastini aus der Zeit um 1780.
In der Bibliothek befinden sich an der Gewölbedecke Kartuschen mit lateinische Inschriften, die auf die Themen der Bücher in den jeweiligen Seiten verweisen.
Unter Georg III. von Oppersdorff wurde im Jahre 1634 zwischen Schloss und Minoritenkloster eine Nachbildung des hl. Grabes in Jerusalem errichtet. Nach einem Brand wurde das Gebäude im Jahre 1882 wiederhergestellt, jedoch ohne kuppelbekröntes Türmchen. Im Inneren befinden sich zwei Räume, von denen der hintere die Grabkammer Christi darstellen soll.

Das Heilige Grab von der Schlossstraße aus.

Eingang zum Oberglogauer Minoritenkloster.
Das Langhaus der Kirche hat zwei Querhäuser und einen kurzen quadratischen Westturm, in dem sich heute wieder die „Achtuhr-Glocke“ aus dem 17. Jahrhundert befindet. Im Rokoko-Hauptaltar von 1751 ist zentral der hl. Franziskus dargestellt. Er wird flankiert von Figuren der hl. Clara, des hl. Hieronimus, des hl. Augustinus und der hl. Elisabeth.

Turm mit Achtuhr-Glocke.

Hauptaltar in der Minoritenkirche.

Loretto-Kapelle im Seitenschiff der Minoritenkirche.

Schwarze Madonna in der Loretto-Kapelle.
In der Mitte des Ringes wurde 1608 anstelle eines älteren Vorgängerbaus das Rathaus im Spätrenaissancestil erbaut. Das Gebäude wurde 1880 umgestaltet und nach einem Brand 1945 in den 1950er Jahren wiederhergestellt. In den südlichen Ecknischen stehen zwei Figuren, der hl. Florian und der hl. Johannes Nepomuk.

Das Rathaus von 1608.

St. Johannes Nepomuk an der Südostecke des Rathauses.
Barocke Häuser am Ring
Am Ring haben sich zahlreiche Bürgerhäuser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert erhalten. Sie haben i.d.R. zweigeschossige giebelständige Architektur und sind reich dekoriert. Auf dem Ring befindet sich heute auch die Mariensäule aus dem 17. Jahrhundert.

Blick über den Park am Ring.

Mariensäule und "Sebastini-Haus".
Die im Jahre 1284 erstmalig erwähnte Kirche wurde 1379 zum Sitz eines Kollegiatstiftes. Der aus dem 14. Jahrhundert stammende Bau wurde vermutlich im Hussitenkrieg 1428 zerstört und seit 1463 wiederaufgebaut.
Presbyterium mit Hauptaltar.

Das gotische Kirchenschiff mit Türmen.
Die Oppersdorff-Kapelle in der Pfarrkirche

Blick von der Empore.
Im Norden des Presbyteriums schließt sich die Oppersdorff-Kapelle an. Der Ende des 14. Jahrhunderts errichtete Bau wird auch Totenkapelle oder Schwarze Kapelle genannt und enthält seit 1601 die Familiegruft der Oppersdorff.
Von besonderer Bedeutung ist hier das Spätrenaissance-Grabmal für Georg III. von Oppersdorff (+1651) und seine Eltern.

Grabmal des Gerorg III. von Oppersdorff.
in der Wasservorstadt
Die Spitalkirche wird im Jahre 1385 erstmals urkundlich erwähnt und war ursprünglich wohl eine Holzkirche. Der heutige Bau wurde in Verlängerung des Spitals im Jahre 1773 errichtet. Es handelt sich um einen einschiffigen Bau mit kurzem Giebelreiter und Zwiebeldach. Daneben befindet sich das alte Spitalgebeäude. (links, im Hintergrund das Kloster Wiese-Pauliner)

Spitalkirche St. Nikolaus.

Die "Falle" aus dem 17. Jahrhundert.
Museen
(Muzeum Regionalne w Głogówku)
Mo - Fr 08:00–16:00
Sa / So geschlossen
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"Alter Turm" und Stockhaus.
In der Umgebung
Nur wenige Kilometer östlich von Oberglogau an der Straße nach Cosel liegt Friedersdorf, ein großes Bauerndorf, das bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts urkundlich belegt ist. Hier leben bis heute einheimische Schlesier, die sich zum großen Teil zur deutschen Nationalität bekennen. In der Scheune der Pfarrei („Farska Stodoła“) wurde im Jahr 2002 ein Heimatmuseum geschaffen, das überregionale Bedeutung erlangt hat. In den renovierten Räumen der Scheune werden historische Haushaltsgeräte, Möbel, Geschirr und regionalen Trachten gezeigt. Das Museum verfügt zudem über viele Fotos aus den Jahren 1876 bis 1935. Auf diese Weise wird an diesem einzigartigen Ort das Leben der oberschlesischen Landbevölkerung im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert lebendig.
Ein Museumsbesuch ist jederzeit nach telefonischer Anmeldung bei der Direktorin, Frau Róża Zgorzelska, möglich. (Telefonnummer 0048 - 668 290 809 oder 0048 – 774 371 799).
Anreise
Weblinks
Serviceliste
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Zeittafel der Geschichte von OberglogauListenelement 1
... auf der Website der Historischen Kommission für den Kreis Neustadt/OS mit zahlreichen Details zur Stadtgeschichte
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Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen EuropaListenelement 2
Ausführliche - wissenschaftlich fundierte - Beschreibung der Geschichte der Stadt Oberglogau in deutscher Sprache
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Schlesien Journal (Bericht zur Geschichte von Oberglogau)
Bericht über die Geschichte der Stadt Oberglogau im "Schlesien Journal".