Grätz

Grätz (Hradec nad Moravicí)

Geschichte

Bereits im 8. und 9. nachchristlichen Jahrhundert befand sich auf dem Gebiet von Grätz eine slawische Siedlung mit Burg. Diese soll sogar das Zentrum des Stammes der Golensitzen im gesamten südlichen Oberschlesien gewesen sein. Um 1280 wurde hier eine Burg mit Turm errichtet, in der die Witwe des böhmischen Königs Ottokar Přemysl, Kunigunde von Halitsch, für mehrere Jahre lebte. Ab 1288 befand sich die Burg Grätz zusammen mit Troppau im Besitz von Nikolaus I., der přemyslidische Linie der Herzöge von Troppau begründete. Das Schloss in Grätz diente zunächst als Residenz der Herzöge, verlor aber zu Beginn des 15. Jahrhunderts an Bedeutung, als das Schloss in Troppau gebaut wurde. Im Besitz der Familie von Podiebrad erhielt Grätz 1481 das Stadtrecht. Im 16. Jahrhundert waren Burg, Stadt und Herrschaft an verschiedene Adelige Besitzer verpfändet, bis sie 1585 in den Besitz der Familie Pruskowsky aus Proskau (bei Oppeln) kam. Nach den drei Schlesischen Kriegen verblieb Grätz mit dem Großteil des Troppauer Herzogtums bei der Habsburger Monarchie.

Grätz zu Beginn des 20. Jahrhunderts (Postkarte).



Fürst Karl von Lichnowsky (1761 - 1814).

Über die Familie von Neffzern gelangte der Besitz 1778 an den Fürsten Karl von Lichnowsky (1761 – 1814). Er war der Sohn des Grafen und 1773 durch Friedrich II. König von Preußen in den Fürstenstand erhobenen Friedrich Carl Johann Amadeus Lichnowsky (1720 – 1788). Obwohl er den Hauptteil seiner Besitzungen in Grätz und Umgebung hatte, verbrachte er den Großteil seines Lebens in Wien. Zu seinen Lebzeiten hielt sich auch Ludwig van Beethoven zweimal in Grätz auf. Schloss und Herrschaft Grätz befand sich für sechs Generationen im Besitz der Familie Lichnowsky.

Nach Gründung der Tschechoslowakei im Jahre 1921 erhielt Grätz die amtliche Bezeichnung Hradec. Infolge des Münchener Abkommens wurde Grätz den Deutschen Reich angeschlossen, nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Ort mit dem Troppauer Land zurück an die Tschechoslowakei. Die deutschsprachigen Bewohner von Grätz wurden vertrieben. Das Schloss wurde verstaatlicht. Seit 1968 heißt der Ort offiziell Hradec nad Moravicí.

Sehenswürdigkeiten

Stadt und Pfarrkirche

Der Ort Grätz erhielt 1481 Stadtrechte sowie das Recht auf einen Jahrmarkt. Die Ansiedlung behielt aber den Charakter eines Marktfleckens. Die Pfarrkirche der Hl. Peter und Paul auf dem Schlossvorplatz wurde 1584 erbaut. (rechts)

Der Schlossvorplatz dient heute v.a. als Parkplatz für die Besucher des Schlosses. Er ist von einfachen Bürgerheäusern gesäumt.





Stadtanger mit Brunnen.



Stadtpfarrkirche.


Schloss Grätz

Anstelle der ursprünglichen slawischen Burg entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine erste steinerne Burganlage in Grätz, die dann Ende des 16. Jahrhunderts von Kaspar Pruskowsky im Renaissance-Stil umgebaut wurde. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg von den Schweden zeitweilig besetzt. Nachdem Karl von Lichnowsky Grätz erworben hatte, ließ er ab 1796 das sog. „Weiße Schloss“  erbauen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand unter seinem Nachfolger Karl von Lichnowsky (1819 – 1901) das „Rote Schloss“ sowie der  „Weiße Turm“. Die Fortifikation des alten Schlosses wurde parallel zerstört und an ihrer Stelle ein Landschaftsgarten errichtet.
Rotes Schloss

Das neugotische "Rote Schloss" stellt den Eingang zur Schlossanlage dar. Es erinnert in romantisierender Weise an eine mittelalterliche Burg.

Rotes Schloss: Eingangstor, ...

... Durchgang, ...



... und Innenhof.


Weißes Schloss

Blick auf das Weiße Schloss.



Innenhof des Weißen Schlosses mit Durchgang.

Das Weiße Schloss wurde unter Karl von Lichnowsky ab 1796 im Empire-Stil mit vier Flügeln und Innenhof erbaut. Die Inneneinrichtung erinnert bis heute u.a. an die Besuche von Ludwig van Beethoven und Franz Liszt.

Das Schloss kann im Rahmen mehrerer unterschiedlicher Führungen besichtigt werden. Gerade bei fremdsprachlichen Führungen ist Reservierung sehr zu empfehlen.


Öffnungszeiten

Mai bis September
Montags:                                                    geschlossen
Di – Fr:                                                       09:00-17:00
Wochenenden und Feiertage: 10:00-17:00

Weitere Informationen zum Schlossmuseum finden Sie (in tschechischer und englischer Sprache) hier:

Hradec nad Moravicí
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Treppenhausturm im Weißen Schloss.


 Weißer Turm

Der fünfstöckige Weiße Turm gehört ebenso wie das Rote Schloss zum Stil der Neugotik und entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er liegt bereits im beginnenden Landschaftspark des Schlosses Grätz.

Weißer Turm und Weißes Schloss.


Anreise

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