Radun

Radun (Raduň)

Geschichte

Die Gemeinde wird erstmalig im Jahre 1329 urkundlich als Besitz der Ritter von Radun erwähnt. Diese erbauten hier im 15. Jahrhundert eine erste Burg. 1475 wurde der Ort von der Famile Tvorkovský von Krawarn erworben. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts ließ Georg Tvorkovský von Krawarn († 1518), dessen Familie Ort und Festung Radun für etwa einhundert Jahre besaß, die Burg zu einem Renaissance-Schloss umgestalten. In der Folgezeit wechselten die Besitzer des Schlosses häufig. Seit etwa 1780 gehörte es den Freiherrn von Mönnich. Zwischen 1816 und 1822 ließ ein Mitglied dieser Adelsfamilie, Graf Johann von Larisch-Mönnich, das alte Schloss komplett abtragen. Stattdessen wurde in seinem Auftrag von dem Troppauer Architekten Karl Englisch eine neue Schlossanlage im Empirestil mit Landschaftspark errichtet.

Um das Jahr 1800 wird der Ort wie folgt beschrieben: „Im Dorfe Radun befindet sich ein herrschaftliches Schloß mit einem Wirthschaftsamte und eine Kirche (…), ferner ein Mayerhof, eine Schäflerey, ein Bräuhaus, zwey Mühlen und eine dritte, welche die Schwarz-Mühle heißt (…). Man zählt hier 53 Hausnummern und 332 Einwohner. Sie sprechen schlesisch-mährisch und sind nach Kommerau eingepfarrt.“ [R. Kneisel: Topographie des kaiserl. Königl. Antheils von Schlesien, Brünn 1805, S. 133 – 134.] Der Ort Radun war demnach traditionell tschechischsprachig. Konkret wurde hier der lachische nordmährisch-schlesische Dialekt (tschechisch lašský jazyk) gesprochen. Um 1900 machen die Deutschen im Ort nur 20 von 560 Einwohnern aus.

Im Jahre 1832 erwarb Graf Gebhart Bernard Carl Blücher von Wahlstatt (1799 – 1875) Radun durch Heirat mit Marie von Larisch-Mönnich (1801 – 1889). Die Familie Blücher gehörte ursprünglich zum mecklenburgischen Uradel. Gebhards Familienlinie wurde mit seinem Großvater, dem preußischen Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher, aufgrund dessen Verdienste im Krieg gegen Napoleon am 3. Juni 1814 in Paris in den erblichen preußischen Grafenstand erhoben.

Wappen der Familie Blücher non Wahlstatt (1814)

 Aus dem Grundbesitz seines Großvaters erbte Gebhart die Herrschaft Wahlstatt sowie das Majorat Krieblowitz in Niederschlesien. Seit 1861 erneuerte König Wilhelm I. von Preußen zudem den eigentlich nur persönlich verliehenen Fürstentitel Gebhard Leberechts an die weitere Familie Blücher, um diese mehr an das preußische Königshaus zu binden. Gebhard von Blücher lebte nämlich v.a. in seinen österreichischen Besitzungen in Radun.
 Schloss Radun vor 1945 (C) Národní památkový ústav... 2008.

In den Jahren 1849 und 1883 bis 1912 erhielt das Schloss sein heutiges von der Romantik geprägtes Aussehen. Das war zu Lebzeiten von Gebhart Bernard Carl Blücher von Wahlstatt sowie seines Sohnes Gebhard Leberecht Blücher von Wahlstatt (1836 – 1916). Insbesondere fanden Veränderungen im romantischen und historischen Sinne zwischen 1903 und 1911 unter letzterem statt, die unter anderem sowohl die Renaissance-Türme im Innenhof als auch den nördlichen und südlichen Teil des Gebäudes veränderten.


Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Schloss 1945 beschädigt. Das örtliche Gut der Familie von Blücher wurde vom tschechoslowakischen Staat beschlagnahmt. Die Familie Blücher von Wahlstatt verließ das Schloss jedoch erst zwei Jahre später. Aufgrund der sprachlichen Verhältnisse kam es zu keinen umfangreichen Vertreibungen. Im Schloss wurden eine Lehrlingsschule sowie Wohnungen eingerichtet. Erst ab 1978 wurde das Schloss restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.


Sehenswürdigkeiten

Schloss Radun

Blick von der Orangerie.

Im Schloss Radun können heute zahlreiche, schön ausgestattete, Räume besucht werden. Hervorzuheben ist das Arbeitszimmer mit Bibliothek der Fürsten von Wahlstatt im Obergeschoss sowie das Treppenhaus mit zahlreichen Portraits der Familie Bonaparte aus dem Pariser Palais der Familie de Saint-Cloud, die 1815 durch Feldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher als Siegestrophäen nach Schlesien gebracht wurden. Zu den weiteren Beständen des Schlossmuseums gehören auch Skulpturen und Kunstgewerbegegenstände wie Porzellan, Glas und Silber.

Gemälde der Familie Bonaparte aus Paris im Treppenhaus

Die kleine Treppe zum Obergeschoss.


Öffnungszeiten

Je nach Jahreszeit von Di bis So, 9:00 /10:00 – 16:00/17:00 Uhr geöffnet. Die Besichtigung erfolgt im Rahmen einer 50 bis 70minütigen Führung, die vorher gebucht werden kann. (radun@npu.cz)

Weitere Informationen zum Schlossmuseum finden Sie (in tschechischer und englischer Sprache) hier:

Zamek Raduň

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 Die kleine Bibliothek...

... und das Esszimmer.
Das Arbeitszimmer mit Bibliothek im Obergeschoss.

Schlosspark mit Orangerie und historischem Getreidespeicher

Aus den 1820 bis 1840er Jahren stammt eine Ansammlung weiterer Gebäude im Empirestil im Umfeld des Schlosses: ein Verwaltungsgebäude (1823), die Orangerie (1824/25) und ein Schafstall (1841), sowie ein großer Landschaftspark mit mehreren Teichen. Der Orangerie- und Ziergarten mit einem großen Sortiment an Zitrusbäumen und exotischen Pflanzen wurde 2004 nach einer vollständigen Renovierung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Von 2011 bis 2012 wurde der Getreidespeicher komplett umgebaut und 2013 hier ein neues Besucherzentrum eröffnet.
Historischer Getreidespeicher mit Besucherzentrum.

Orangerie mit Ziergarten.
"Schloss Radun bei Troppau" / "Radun Castle near Opava"
(Video: YouTube)


Pfarrkirche zur hl. Dreifaltigkeit

Die Pfarrkirche von Radun wurde an der Wende vom 16. zum 17.Jahrhundert unter der Herrschaft der Familie Tvorkovský von Krawarn errichtet. Der Innenraum der Kirche ist durch neugotische Tribünen, Kanzeln und Altäre charakterisiert. Von der Familie Tvorkovský haben sich zwei Krypten erhalten. Im Jahre 1929 wurde hier Lothar Graf Blücher, der Inhaber der Herrschaft Radun, beerdigt.

Pfarrkirche zur heiligen Dreifaltigkeit.


Anreise

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