Tichau (Tychy)

Geschichte
Tichau war im Spätmittelalter ein an der Straße Nikolai – Berun gelegenes Strassendorf, das an umfangreiche Waldungen grenzte. Im Jahre 1467 wurde das Dorf erstmalig urkundlich erwähnt, seine Pfarrei sogar erst 1529. Das Plesser Urbarium von 1536 nennt hier einen Pfarrer, 20 Bauern, vier Gärtner, einen Kretschmer und einen Müller. Die Herrschaft Pless unterhielt hier zudem ein Vorwerk mit zwei Fischteichen. Die Standesherren von Pless legten hier in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine Brauerei an, die bis heute besteht. Gegenüber der Brauerei wurde 1685 zudem ein Jagdschloss erbaut, das noch heute als Tagungszentrum dient. In den folgenden drei Jahrhunderten wuchs die Gemeinde Tichau durch Eingemeindung stark an.

Tichauer Bierbrauerei im Jahre 1929.
Um 1860 gab es hier alleine 190 Häusler neben einigen Bauern, Gärtnern und Freischolzen. Im 18. Jahrhundert war Tichau wie seine Umgebung auch durch die Industrialisierung geprägt. Es entstanden eine Ziegelei, eine Brennerei, eine Zellulose- und eine Papierfabrik. Im Jahre 1870 erhielt Tichau Eisenbahnanschluss.
Bei der Volksabstimmung im Jahre 1921 stimmten 83 % der Einwohner für Polen und nur 17 % für das Deutsche Reich. Seit 1922 gehörte der Ort deshalb zu Polen. Vom Rat der autonomen Woiwodschaft Schlesien erhielt Tichau, jetzt Tychy, im Jahre 1933 seine ersten Stadtrechte und im Jahr darauf eine städtische Verfassung.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entzogen die Behörden der neu gegründeten Volksrepublik Polen Tychy im Jahr 1945 zunächst die Stadtrechte. 1949 begann in der Umgebung der Stadt jedoch der Steinkohlebergbau. Nachdem Tychy 1951 seine Stadtrechte endgültig zurückerhalten hatte, wurde es bis 1965 im Rahmen einer planmäßigen Stadtentwicklung systematisch ausgebaut. Ziel war es, Tychy zu einer modernen Stadt im Sinne des realen Sozialismus zu gestalten. Trotz der zahlreichen für diese Epoche typischen Plattenbauten hebt sich Tichau (Tychy) in vielerlei Hinsicht von anderen Städten des Oberschlesischen Industriereviers ab. Charakteristisch sind insbesondere die vielen Grünflächen, Freizeitmöglichkeiten und breiten Straßenalleen. Zudem profitiert die Stadt von ihrer Randlage nahe den Wäldern der Beskiden.
(*10. September 1833 in Berlin, +14. August 1907 Dresden)
Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche St. Maria Magdalena
Die Barockkirche St. Maria Magdalen wurde im Jahr 1782 an der Stelle nördlich des Tichauer Ringes erbaut, an der sich mindestens seit 1598 eine Holzkirche befunden hatte. Diese war von 1568 bis 1634 im Besitz der evangelischen Gemeinde der Stadt. Die Kirche mit kreuzförmigem Grundriss wurde 1906/07 erweitert, der Turm 1929 erhöht. Die Ausstattung ist neobarock, die Stuckdekorationen im Gewölbe stammen aus den 1920er Jahren. In den Jahre 2003/2004 wurde die Kirche grundlegend renoviert.
Pfarrkirche St. Maria Magdalena, (C) Wikipedia CC BY-SA 3.0.
Fürstliche Brauerei Tichau
(Tyskie Browary Książęce)
Die Fürstliche Brauerei Tichau ist ein architektonisches Juwel der Region und zugleich eine moderne Brauerei. Bier wird hier ununterbrochen seit dem 17. Jahrhundert gebraut, was sie zu einer der ältesten Brauereien im heutigen Polen macht. Die Brauerei wurde 1629 von Siegfrief von Promnitz gegründet. Ihre Blütezeit fiel aber in die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Der damalige Eigentümer war der Unternehmer und Visionär, Fürst Hans Heinrich XI. von Hochberg. In den 1860er Jahren übernahm er die kleine Brauerei und baute sie nach neuesten technischen Standards aus. Neue Gebäude ermöglichten die Produktion von untergärigem Bier bei niedrigen Temperaturen: Pilsener Typ. Im Jahr 1893 entstand sogar eine Eisenbahnlinie, die die Brauerei mit dem Bahnhof in Tichau verband. Heute erstreckt sich die Brauerei auf beiden Seiten der Mikołowska-Straße in Tichau (Tychy). Der historische Teil der Anlage steht unter Denkmalschutz, direkt daneben befinden sich eine moderne Abfüllanlage. In der Brauerei werden Biere aus der Tyskie-Markenfamilie gebraut – allen voran Tyskie Gronie.

Historische Brauereigebäude, ...
insbesondere der Turm von 1905, ...
und ein istorischer Braukessel von 1915/17.
Tyskie Brauereimuseum
Das Tyskie Brauereimuseum befindet sich heute in der ehemaligen evangelischen Kirche von 1902 auf dem Gelände der Fürstlichen Brauerei. Die Kirche war von Hans Heinrich XI. für die evangelische Minderheit gestiftet worden. Nach der Verstaatlichung 1946 diente das Gebäude als Werkstatt, bis es 2003 zum Museum umgestaltet wurde. Die Ausstellung umfasst über 300 Flaschen aus dem frühen 19. Jahrhundert, originale Eichenfässer, Brauwerkzeuge, Krüge, Etiketten und historische Dokumente. Ein 3D-Film zeigt zudem die Geschichte der Region und der Brauerei. Weitere Informationen zum Museum finden Sie hier:
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Das Brauereimuseum in der ehem. evangelischen Kirche von 1902.
Ausstellung im Museum.

Werbeschilder-Sammlung im Museum.




