Tillowitz (Tułowice)

Geschichte

Dorf und Pfarrkirche Tillowitz sind urkundlich für das Jahr 1447 belegt. Ab 1604 gehörten Dorf und Umgebung zur Herrschaft Falkenberg. Nach der Teilung der Herrschaft Falkenberg im Jahre 1822 wurde Tillowitz selber unter Graf Ludwig von Praschma zum Herrschaftssitz. Dieser erbaute 1826/27 auf alten Fundamenten das Schloss Tillowitz und umgab es mit weiten Parkanlagen. Da er sich dabei finanziell übernahm, musste der Besitz 1835 an Graf Ernst von Frankenberg-Ludwigsdorf im Rahmen einer Versteigerung verkauft werden. Dessen Familie veräußerte die Herrschaft Tillowitz 1929 an die Oberschlesische Landgesellschaft, die eine Aufsiedlung der Güter durchführte. Im Schloss wurde ab 1937 eine Waldarbeiterschule eingerichtet. Seit 1889 gibt es in Tillowitz auch eine Porzellanfabrik, die einen international guten Ruf genoss.


Schloss Tillowitz im 19. Jahrhundert (Lithographie von Duncker).


Sehenswürdigkeiten

Schloss Tillowitz

Schloss Tillowitz wurde in den Jahren 1824 bis 1827 als dreiflügelige, in Hufeisenform angeordnete Anlage in klassizistischem Stil in einem weiten Landschaftspark für Ludwig von Praschma erbaut. Zwischen 1879 und 1889 wurde es für die Familie Frankenberg-Ludwigsdorf im Neorenaissance-Stil umgebaut. Seit 1937 befindet sich ein landwirtschaftliches Schulungszentrum im Schloss, gegenwärtig Internat des Forstwirtschaftlichen Technikums.


Besonders markant am Tillowitzer Schloss ist der im nach Süden offenen Innenhof liegende reich dekorierte Erker mit Terrasse, bekrönt von einem Giebel mit einer Figur des Erzengels Michael, dem Wappen der Besitzerfamilie und der Jahreszahl 1889. Auf der gegenüberliegenden Nordseite befindet sich ein Portikus mit darüber liegendem Turm, bekrönt durch eine Aussichtsterrasse mit kleinen Ecktürmchen und hohem oktonalen, durchbrochenem Helm.



Weitere Fotos

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Erker mit Figur des hl. Michael.


Museum

Museum für schlesisches Porzellan (Muzeum Porcelany Śląskiej w Tułowicach)


Im April 2024 wurde in restaurierten Gebäuden der ehemaligen Porzellanfabrik in Tillowitz (Tulowice) in der Woiwodschaft Oppeln ein Museum für schlesisches Porzellan eröffnet. Das neue Museum wurde auf dem Gelände der ehemaligen Porzellanfabrik in einem baufälligen Verwaltungs- und Lagergebäude aus dem Jahr 1904 eingerichtet. Die Besucher können sich dort in attraktiven Ausstellungsräumen mit der schlesischen Porzellangeschichte vertraut machen.

Eingang zum Museum für schlesisches Porzelan



Die Porzellanherstellung in Tillowitz (Tułowice) blickt auf über 210 Jahre Geschichte zurück. Anfang des 19. Jahrhunderts gründete Johann Carl Graf von Praschma auf seinen Ländereien am Schloss Tillowitz eine Fayencefabrik. Er nutzte die Rohstoffe aus dem Falkenberger Wald sowie die Erfahrung von Fachkräften aus der nahegelegenen Manufaktur in Proskau.


1842 übernahm Ernst von Frankenberg den Betrieb und führte die Produktion schwarzer Fayence ein. Ab 1858 wurde Porzellan gebrannt. 1889 baute der Thüringer Erhard Schlegelmilch die Manufaktur mit familiärem Kapital zur bedeutenden Porzellanfabrik aus, in der um 1910 rund 800 Menschen arbeiteten. Das unter der Marke „R.S. Prussia Tillowitz“ gefertigte Porzellan wurde überwiegend in die USA und nach Kanada exportiert; Vertretungen bestanden unter anderem in Österreich, den Niederlanden und England. Produziert wurde reich dekoriertes Porzellan in vielfältigen Formen, abgestimmt auf den Geschmack der Auslandsmärkte.


Während der Jahre 1939–1940 belieferte die Fabrik auch das Militär. 1945 wurde sie von sowjetisch-polnischen Behörden übernommen, 1947 stellte man von hochwertigem Porzellan auf Halbporzellan um. 1976 entstand eine moderne neue Fabrik; das historische Gebäude wurde später unter anderem als Ausbildungsstätte für Porzellanfachleute genutzt.


Weitere Informationen über das Museum finden Sie in deutscher Sprache hier:



Museum für schlesisches Porzelan

Mit Tillowitzer Porzelan gedeckter Tisch.


Vitrine mit diversen Ausstellungstücken.

Service von Kuno Steinmann, Tiefenfurt 1925/45.


Die "Mickey Mouse"-Serie aus den 1960er Jahren.

Anreise