Religionen

Religionen in Oberschlesien

Katholizismus

Zentrale Religion der Oberschlesier – egal welcher Sprache und Nationalität – ist bis heute der Katholizismus. Aber während in Polen ca. 87% der Bevölkerung katholisch ist, sind es in der Tschechischen Republik im Durchschnitt nur noch 10%. Da es in beiden Ländern aber keine institutionalisierte Mitgliedschaft in einer Kirchengemeinschaft gibt, sind dies nur Schätzungen. Im tschechischen Oberschlesien können etwa ein Drittel der Bevölkerung der katholischen Kirche zugerechnet werden, im polnischen Teil Oberschlesiens die ganz überwiegende Mehrheit. Auch das hiesige Brauchtum steht deshalb ganz im Zeichen des katholischen Kirchenjahres.

Historisch lag fast ganz Oberschlesien in der Diözese Breslau. Lediglich einige Randgebiete gehörten zu benachbarten Diözesen, so bis 1821 die Dekanat Beuthen und Pless zum kleinpolnischen Bistum Krakau und die ehem. Herzogtümer Troppau und Jägerndorf (mit Leobschütz, der Enklave Hotzenplotz, Katscher und dem Hultschiner Ländchen) bis zum Ersten Weltkrieg zum mährischen Bistum Olmütz. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde im Anschluss an die Teilung Oberschlesiens 1925 das Bistum Kattowitz gegründet, das identisch mit der neuen Wojewodschaft Schlesien war und der polnischen Kirchenprovinz zugeordnet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutschsprachige Bevölkerung Oberschlesiens fast komplett durch polnische bzw. tschechische Katholiken ersetzt. Danach dauerte es fast 30 Jahre bis das Provisorium der Nachkriegszeit beendet wurde.

Sankt Annaberg - zentraler katholischer Wallfahrtsort in Oberschlesien.
Nachdem der Deutsche Bundestag 1972 den Warschauer Vertrag ratifiziert hatte, konnte Rom die kirchliche Struktur im östlichen Mitteleuropa neu regeln. Die jenseits von Oder und Neiße liegenden Gebiete wurden aus dem Verband der deutschen katholischen Kirche ausgegliedert und zu polnischen Diözesen umgestaltet. So entstand im polnischen Oberschlesien 1972 die Diözese Oppeln. Der mährisch-schlesische Teil des Bistums Breslau in der Tschechoslowakei wurde 1978 an das Bistum Olmütz angegliedert. Die heutige Struktur der katholischen Kirche in Oberschlesien wurde erst in den 1990er Jahren geschaffen: Die zum Erzbistum erhobene Diözese Kattowitz bildet seit 1992 mit den Bistümern Oppeln und Gleiwitz die oberschlesische Kirchenprovinz. Das gleichzeitig neu gegründete Bistum Bielitz-Saybusch, dem der Teschener Teil Oberschlesiens angehört, wurde der Krakauer Kirchenprovinz zugeordnet. Damit ist heute das – ehemals zu Preußen bzw. Deutschland gehörige – Oberschlesien in seinen historischen Grenzen wieder kirchlich in einem Erzbistum vereint. In Tschechien wurde 1996 das Bistum Ostrau-Troppau aus der Diözese Olmütz herausgelöst.
Protestantismus

Die alte Vorstellung, Deutsche seinen Protestanten, Polen aber Katholiken, ist auch heute noch in Polen weit verbreitet. Auf Oberschlesien treffen diese Vorstellungen jedoch nur sehr begrenzt zu. Während der Reformation wurden auch große Teile des slawisch-sprachigen Oberschlesiens protestantisch. Jedoch gelang es hier der Obrigkeit im Zeitalter der Gegenreformation, die Bevölkerung fast vollständig zum katholischen Glauben zurückzubringen. Lediglich im Herzogtum Teschen, in den Gegenden um Kreuzburg und Neustadt/OS sowie den größeren Verwaltungszentren des Industriegebietes konnte sich der Protestantismus auf Dauer etablieren. In Teschen durfte nach der Altranstädter Konvention von 1707 sogar eine evangelische „Gnadenkirche“ errichtet werden. So waren zu Beginn des 20. Jahrhundert etwa ein Viertel der Bevölkerung von Österreichsch-Schlesien (insbesondere um Teschen und Bielitz herum) evangelisch-lutherischen Glaubens. Im Jahre 1867 gab es in preußisch Oberschlesien fünf evangelische Kirchenkreise: Kreuzburg  mit  16, Neisse mit 10, Oppeln mit 13, Pleß mit 14 und Ratibor mit 7 Parochien. Das waren insgesamt 60 evangelische Kirchengemeinden im Regierungsbezirk Oppeln. Nach der Teilung Oberschlesiens 1922 wurde die Diözese Kattowitz als Teil der polnischen Evangelisch-Augsburgischen Kirche gegründet. Diese lutherische Diözese reicht heute bis ins niederschlesische Brieg und nach Krakau. Sie besteht aus 41 Gemeinden. Die kleine Diözese Teschen umfasst hingegen den polnischen Teil des Teschner Landes. Hier waren traditionell – abgesehen von Bielitz, Teschen und Skotschau – fast alle evangelischen Gemeinden mehrheitlich polnischsprachig. Die Diözese umfasst noch heute trotz des geringen territorialen Umfangs 22 Gemeinden und gilt deshalb bis heute im katholischen Polen als protestantische Insel. Auch im tschechischen Teil des Teschener Landes gibt es noch eine evangelische Minderheit, die in 21 Gemeinden der Schlesischen Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses zusammengeschlossen ist. Hier wird polnisch und tschechisch gepredigt.

Evangelische Gnadenkirche in Teschen.

Judentum


Eine weitere religiöse Minderheit, die unter der Herrschaft des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 fast völlig ausgelöscht wurde, ist das Judentum. Juden hatte es vermutlich bereits vor der Besiedlung des Landes durch Deutsche im 13. Jahrhundert gegeben. Sie waren aus den deutschen Staaten sowie Böhmen gekommen. Eine erste große Welle der Verfolgung brachte das Jahr 1349 nach der Pestwelle, die ganz Europa heimsuchte. Nach der Machtübernahme der Habsburger zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden die oberschlesischen Juden bis 1562 fast vollständig vertrieben. Viele Städte erlangten damals das Recht, keine Juden innerhalb ihrer Mauern tolerieren zu müssen („ius de non tolerandis iudeis“). Lediglich in dem kleinen Städtchen Zülz durften die Juden unter dem Schutz der Herrschaft der Grafen Pruskowsky aus fiskalischen Gründen verbleiben. Hier machten sie bald die Hälfte der Stadtbevölkerung aus und legten einen jüdischen Friedhof an.



Jüdischer Friedhof in Zülz.

Seit dem beginnenden 17. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt jüdischer Siedlung in Oberschlesien auf die rechte Oderseite. Hier wurden die Juden von den Besitzern der großen Grundherrschaften gerne als Gutsinspektoren, Pächter, Kaufleute oder Schankwirte eingesetzt. Dennoch war ihnen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die Erbauung von eigenen Kultstätten untersagt. Doch auch danach entstanden jüdische Friedhöfe meist abgelegen von den städtischen Zentren.

Nach der Judenemanzipation in Preußen 1812 konnten sie hier auch in der Wirtschafts-, Forst- und Bergwerksverwaltung tätig werden. Sie stellten seitdem in vielen – gerade ostoberschlesischen – Städten einen wichtigen Bestandteil des gebildeten, deutschsprachigen Bürgertums. Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland profitierten die Juden im ehemaligen oberschlesischen Abstimmungsgebiet bis 1937 von der 15jährigen Schutzfrist für nationale Minderheiten. Danach wurden sie wie im Rest Deutschlands unterdrückt, beraubt und ermordet. Heute ist das oberschlesische Bielitz neben Warschau und Breslau eines der drei Zentren jüdischen Lebens in Polen.

Gedenktafel für die 1938 zerstörte Synagoge in Gleiwitz.
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