Chudow (Chudów)

Geschichte

Das Dorf wurde erstmalig im Zehntregister des Bistums Breslau um 1300 als „Cudow“ erwähnt. 1466 folgte eine Erwähnung als „Chudorf“. Archäologische Untersuchungen zeigen, dass zu dieser Zeit hier eine hölzerne Burg bestanden hat, die der Familie Chudowski zugeordnet wird. An dieser Stelle baute dann Johann Gieraltowski, einer der Besitzer des benachbarten Gieraltowitz, in den 30er oder 40er Jahren des 16. Jahrhunderts eine gemauerte Burg. Er soll das Dorf im Jahre 1537 erworben haben. Die Familie besaß die Burg und das Dorf Chudow bis 1632. Danach begann der Zerfall der Burg, die Herrschaft Chudow befand sich aber im Besitz verschiedener Adeliger, u.a. des Georg von Welczek (1687) oder des Wenzel von Oppersdorff.


Erst im 18. Jahrhundert wurde die Burg unter der Familie Foglar wieder genutzt. Der erste Besitzer aus dieser Familie, Nikolaus von Foglar, soll die Burg 1717 erworben und zu einem Schloss ausgebaut haben, in dem viele Feste gefeiert und Jagden veranstaltet wurden. Später hatte hier die Familie von Bally ihren Sitz. Im Jahre 1783 war Chudow im Besitz eines Mat. von Wilczeck. Der Ort lag in der Standesherrschaft Beuthen. Damals gehörten drei Vorwerke, das herrschaftliche Schloss, eine Mühle, eine Schule, zehn Bauern, 16 Gärtner und drei Häusler zur Herrschaft Chudow. Auch im Jahre 1865 bestand Chudow noch aus einem Dorf und einem Rittergut. Jetzt war die Gräfin Johanna von Schaffgotsch-Godulla Besitzerin der Herrschaft.


Bei der Volksabstimmung 1921 stimmte im Ort die Mehrheit für Polen. Konsequenterweise kam Chudow nach der Teilung Oberschlesiens 1922 an Polen. Zwischen 1939 und 1945 wurde der Ort erneut ins Deutsche Reich eingegliedert. 1945 kam er wieder an Polen und wurde in „Chudów“ umbenannt.


Schloss Chudow in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts (nach Duncker).


"Schloss Chutow" 1812 im Südzipfel der Standesherrschaft Beuthen.


Sehenswürdigkeiten

Schlossruine


Die Schlossruine aus dem 16. Jahrhundert ist aus Feld- und Ziegelsteinen im Renaissancestil erbaut worden. Sie bestand ursprünglich aus einem Torturm, zwei Wohngebäuden sowie einem Hof. Letzterer soll von einem hölzernen Kreuzgang umgeben gewesen sein. Die gesamte Anlage war mit einem Graben umgeben, der heute zwar ausgetrocknet aber noch sichtbar ist. Es handelt sich bei der Anlage demnach um eine ehemalige Wasserburg. Zum Schloss wurde die Burg wohl von Nikolaus von Foglar ab 1717 ausgebaut. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Anlage zudem von Alexander von Bally umgebaut. Dieser nahm aber keine Rücksicht auf den alten Stil. Im Turm der Burg entstand eine Kapelle. Nachdem 1875 ein großes Feuer in der Burg ausgebrochen war, entschieden die Besitzer, die Anlage als romantische Ruine liegen zu lassen. Im Jahr 2001 wurde mit der Renovierung und dem teilweisen Wiederaufbau der Burganlage begonnen. Heute beinhaltet die Burg ein kleines archäologisches Museum.

Torturm und Graben der alten Wasserburg.


Erhöhter Eingang der alten Burg.


Renaissance-Fensterrahmen.

Eiszeitlicher Findling


Vor dem Burgeingang befindet sich heute ein 18,4 Tonnen schwerer Findling aus der Eiszeit, der beim Bau der Autobahn A4 gefunden und hierhin verlegt wurde. Es wurde vermutlich während der Saale-Kaltzeit (210.000 – 130.000 v. Chr.) aus Schweden bis hierhin verschoben.



Anreise